Reichtum, Armut, Ungleichheit: Information: Reichtum

 

Reichtum

 

Definition

Laut relativer Reichtumsdefinition gilt als Einkommensreicher, dessen Äquivalenzeinkommen (= das Einkommen eines Haushalts bezogen auf die zu ihm gehörenden Personen) mindestens 200 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Im Jahr 2022 lag die Grenze bei einem Ein-Personen-Haushalt bei 4264 Euro Nettoeinkommen (Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben) im Monat. Eine Familie mit zwei Kindern gilt demnach als reich, wenn ihr monatliches Haushaltseinkommen mehr als rund 8950 Euro beträgt. Laut der OECD-Skala wären für alle weiteren zum Haushalt gehörenden Personen, die 15 Jahre oder älter sind, der Faktor 0,5 und für Kinder unter 15 Jahren der Faktor 0,3 des Nettoeinkommens in Anschlag zu bringen, das heißt die Einkommensgrenze zum Reichtum würde sich entsprechend nach oben verschieben. Zur Gruppe der „sehr Wohlhabenden“ gehören diejenigen, die mindestens das Dreifache des mittleren Einkommens verdienen (im Jahr 2022: ab 153.600 Euro im Jahr oder 12.800 Euro im Monat).

Als Vermögensreicher gilt, wer über ein frei verfügbares Vermögen von einer Million Euro verfügt. Nach der Definition der Banken beginnt Vermögensreichtum bei den REICHEN, den „High Net Worth Individuals“ (HNWI), die über ein investierbares Vermögen von mehr als einer Million US-Dollar verfügen, ohne selbst genutzte Immobilien oder wertvolle Gebrauchsgegenstände. Es folgen die SEHR REICHEN, „Ultra High Net Worth Individuals“ (Ultra-HNWI) mit mehr als 30 Millionen US-Dollar Finanzvermögen, dann die SUPERREICHEN mit mehr als 100 Millionen US-Dollar Finanzvermögen und schließlich die ULTRAREICHEN mit mehr als 1 Milliarde US-Dollar Finanzvermögen.

 

Einkommensreichtum

Wie das Statistische Bundesamt am 4. Juni 2025 mitteilte, hatten gut 34.500 aller in Deutschland erfassten lohn- und einkommensteuerpflichtigen Personen im Jahr 2021 Einkünfte von mindestens einer Million Euro. Das waren 18 Prozent beziehungsweise knapp 5.200 Einkommensmillionär:innen mehr als im Jahr 2020. Im Bundesdurchschnitt verdienten sie 2,8 Millionen Euro (2020: 2,6 Millionen Euro).

Laut einer am 25. März 2025 veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gehörten im Jahr 2022 rund vier Prozent der Menschen in Deutschland zu der einkommensreichsten Oberschicht, da sie netto mehr als 250 Prozent des mittleren Einkommens verdienten. Dazu gehörten Singles mit einem Nettoeinkommen von mindestens 5.780 Euro im Monat oder ein Paar ohne Kinder mit einem gemeinsamen Nettoeinkommen von über 8.670 Euro.

Wie aus der am 29. Juli 2025 veröffentlichten Vorstandsvergütungsstudie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Kooperation mit der Technischen Universität München hervorgeht, ist die durchschnittliche Vergütung der Dax-Vorstände im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 3,0 Prozent auf 3,759 Millionen Euro gestiegen. Spitzenverdiener waren die Vorstände der Deutschen Bank, die zusammen auf ein durchschnittliches Salär von 7,095 Millionen Euro kamen. Den Spitzenplatz belegt Oliver Blume (Volkswagen) mit einer Gesamtvergütung von 10,599 Millionen Euro, auf dem zweiten Platz folgt von Bjørn Gulden (Adidas) mit 10,317 Millionen Euro; an dritter Stelle steht Christian Sewing (Deutsche Bank) mit 9,866 Millionen Euro.

Vermögensreichtum

Laut der am 12. März 2026 veröffentlichten 40. „Forbes“-Liste der Reichen besitzen derzeit 3428 Personen WELTWEIT ein Vermögen von mindestens einer Milliarde US-Dollar, 400 mehr als im Jahr 2025 und so viele wie noch nie seit Einführung der Liste im Jahr 1987. Auf Platz 1 liegt Elon Musk, Chef des Raumfahrtkonzerns SpaceX und des Elektroautobauers Tesla, mit einem geschätzten Vermögen von 839 Milliarden Dollar (rund 725 Milliarden Euro); es folgen die Google-Ko-Gründer Larry Page (257 Milliarden Dollar) und Sergey Brin (237 Milliarden Dollar), Amazon-Chef Jeff Bezos (224 Milliarden Dollar) sowie Meta-Chef Mark Zuckerberg (222 Milliarden Dollar); reichster Deutscher ist Lidl-Chef Dieter Schwarz (67 Milliarden Dollar), er liegt auf Platz 29.

Wie der am 19. Januar 2026 anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos von der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam veröffentlichte Bericht „Resisting the Rule of the Rich” feststellt, ist das Vermögen der Milliardär*innen weltweit im Jahr 2025 dreimal so schnell gewachsen wie in den Jahren davor, nämlich um 2,5 Billionen US-Dollar, und hat den neuen Höchstwert von 18,3 Billionen US-Dollar erreicht. Dieser Anstieg in nur einem Jahr entspricht fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung (4,1 Milliarden Menschen). Während die ärmere Hälfte der Bevölkerung nur 0,52 Prozent des weltweiten Vermögens besitzt, verfügt das reichste Prozent über 43,8 Prozent des weltweiten Vermögens.
In Deutschland ist die Gesamtzahl der Milliardär:innen im Jahr 2025 demnach um ein Drittel auf 172 gestiegen und ihr Gesamtvermögen inflationsbereinigt um 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar angewachsen, während gleichzeitig etwa ein Fünftel der Menschen in Deutschland von Armut betroffen ist.

Laut einem am 23. Dezember 2025 veröffentlichten Vermögensranking der US-Nachrichtenagentur Bloomberg erhöhte sich das Vermögen der 25 reichsten Familien der Welt im Jahr 2025 um rund 682.458 Dollar (581.577 Euro) – pro Minute, nämlich um 358,7 Milliarden Dollar auf insgesamt 2,9 Billionen Dollar (eine Zahl mit zwölf Nullen). Reichste Familie der Welt sind die Erben des US-Handelsriesen Walmart mit einem Vermögen von 513,4 Milliarden Dollar, reichste deutsche Familien die Quandt-Erben Susanne Klatten und Stefan Quandt mit einem geschätzten Vermögen von 61,3 Milliarden Dollar sowie die Erben des Aldi-Imperiums mit einem Vermögen von 55,2 Milliarden Dollar.

 

In DEUTSCHLAND stieg das Gesamtvermögen der Milliardär*innen im Jahr 2025 inflationsbereinigt um 30 Prozent auf mehr als 715 Milliarden Euro. Es kamen 42 neue Milliardär*innen hinzu, insgesamt sind es jetzt 172. Deutschland hat damit weltweit nach den USA, China und Indien die meisten Milliardär*innen. (Quelle: Die Zerreißprobe. Wie extreme soziale Ungleichheit die Demokratie gefährdet, herausgegeben von Oxfam Deutschland e.V., S. 7)

Dem am 10. Juli 2024 veröffentlichten Global Wealth Report der Boston Consulting Group (BCG) zufolge besaßen in Deutschland die 3300 Superreichen („Ultra High Net Worth Individuals“), das sind Menschen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar, im Jahr 2023 fast ein Viertel (23 Prozent) des gesamten Finanzvermögens. Sie konnten einen Zuwachs von im Schnitt zehn Prozent verbuchen. Zusätzlich zu den Superreichen gibt es demnach hierzulande etwa 555.000 Dollarmillionäre, 30.000 mehr als vor einem Jahr. Die meisten Superreichen, nämlich 26.000, leben laut Global Wealth Report in den USA, auf dem zweiten Platz liegt China mit 8300 Superreichen; Deutschland belegt mit 3300 Superreichen den dritten Platz.

In Deutschland gibt es so viele Milliardäre wie noch nie. Laut Manager Magazin sind es 249. An der Spitze steht Dieter Schwarz, Gründer der Supermärkte Lidl und Kaufland, mit einem geschätzten Vermögen von fast 44 Milliarden Euro. Er verdrängt damit die BMW-Erben Klatten und Quandt auf Platz 2. Die 500 reichsten Deutschen haben danach Vermögenswerte von insgesamt 1,1 Billionen Euro. (Tagesschau vom 2. Oktober 2024)

Laut einer am 14. Juli 2020 veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) besitzt etwa 1,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland, also etwa jeder 70. Erwachsene, ein individuelles Nettovermögen, also das Bruttovermögen abzüglich der Schulden, von mindestens einer Million Euro. Die Studie erfasst das Vermögen von Personen ab 17 Jahren in Deutschland. Dazu zählen unter anderem Immobilienbesitz, Betriebsvermögen, Sparguthaben, Aktien, Ansprüche aus Lebens- und privaten Rentenversicherungen, wertvolle Sammlungen.

Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 2. April 2024 finanzierte im Jahr 2023 jede hundertste Person von 25 bis 64 Jahren in Deutschland ihren Lebensunterhalt überwiegend nicht durch eigene Erwerbstätigkeit, sondern aus dem eigenen Vermögen, Kapitalerträgen oder Einkünften aus Vermietung und Verpachtung.

0,1 bis 0,5 Prozent der Deutschen haben sehr hohe Einkommen, die sich vor allem aus Kapitalanlagen speisen, sich also quasi anstrengungslos vermehren. Unter http://www.vermoegensteuerjetzt.de/topic/17.reichtumsuhr.html kann die aktuelle Höhe des privaten Geldvermögens in Deutschland abgefragt werden.

„Laut Forbes-Reichenliste leben nur in China, Indien und den USA mehr Milliardär*innen als in Deutschland.
Unter ihnen sind Susanne Klatten und Stefan Quandt das reichste Geschwisterpaar Deutschlands. Der Grund für ihren Reichtum: Sie haben u.a. knapp 48 Prozent am Autohersteller BMW geerbt. Laut Forbes kamen sie 2023 auf ein Vermögen von rund 49 Milliarden Euro, laut Manager Magazin waren es 40 Milliarden Euro.“ (Superreiche (wieder) gerecht besteuern. Eine Analyse des effektiven Steuerbeitrags von Superreichen in der Schweiz, Österreich und Deutschland, Herausgeber: Oxfam Deutschland e. V., Netzwerk Steuergerechtigkeit; Stand: April 2024, S. 13)

 

REICH – OHNE ARBEIT

Laut einer am 5. April 2026 veröffentlichten Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY schütten die 40 im Deutschen Aktienindex gelisteten Konzerne in diesem Jahr mehr Geld an ihre Aktionäre aus als je zuvor, nämlich insgesamt 55,3 Milliarden Euro, 3,1 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr.

Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 31. März 2022 finanzierte ein Prozent der Bevölkerung, also rund 800.000 Personen, im Jahr 2021 seinen Lebensunterhalt überwiegend durch das eigene Vermögen (einschließlich Ersparnisse, Zinsen sowie Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung).

Der vom Institut for Strategic Finance (isf) der FOM Hochschule in Kooperation mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erstellten Dividendenstudie 2022 zufolge erhalten die Anteilseigner der in Deutschland börsennotierten Aktiengesellschaften im Jahr 2022 insgesamt rund 70 Milliarden Euro an Dividenden. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rekordzuwachs von fast 50 Prozent.

Laut dem Bericht über globale Ungleichheit, den die Entwicklungsorganisation Oxfam am 20. Januar 2025 anlässlich des Weltwirtschaftsforums von Davos veröffentlichte, stammt 36 Prozent des Gesamtvermögens von Milliardär*innen aus Erbschaften, in Deutschland seien es sogar 71 Prozent.

Allein in Deutschland werden nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) jährlich zwischen 250 und 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt. Wegen exorbitant hoher Freibeträge – Ehepartner können bis zu 500.000 Euro, die eigenen Kinder bis zu 400.000 Euro erben, ohne dafür Steuern zu zahlen – wurden laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 3. September 2025 im Jahr 2024 auf Erbschaften und Schenkungen in Höhe von 113,2 Milliarden Euro Steuern in Höhe von 13,3 Milliarden Euro gezahlt (auf die Erbschaftsteuer entfielen 8,5 Milliarden Euro, auf die Schenkungsteuer 4,8 Milliarden Euro). Die meisten Erbschaften und Schenkungen liegen unterhalb der Freibeträge und tauchen in den Zahlen der Finanzverwaltungen nicht auf.

Laut einer Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gemeinsam mit der Universität Vechta und dem Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) erstellt und im Jahr 2021 veröffentlicht hat, haben lediglich zehn Prozent aller Erwachsenen in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren geerbt oder eine größere Schenkung erhalten. Dabei entfiel wiederum fast die Hälfte dieser Transfers auf nur zehn Prozent derer, die überhaupt geerbt oder eine größere Schenkung erhalten haben.

„In Deutschland hat man es nicht einmal geschafft, durch eine vernünftige Erbschaftsteuer zumindest für die nächste Generation einen Ausgleich zu schaffen. Bis heute werden die größten Erbschaften häufig niedriger besteuert als die kleinen. Im Jahr 2020 zahlten 40 Prozent der ohnehin Reichen, die in den Genuss einer Erbschaft oder Schenkung von mehr als 10 Millionen Euro kamen, auf ihre leistungslosen Zugewinne überhaupt keine Steuern. 2019 wurden die 127 größten Schenkungen in Höhe von insgesamt 12 Milliarden Euro mit weniger als 1 Prozent besteuert. Währenddessen war bei vielen kleineren Erbschaften ein Satz von 30 Prozent fällig.“ (Aus: Gerhard Schick, Wenn Leistung sich nicht mehr lohnt. Warum wir dringend gerechtere Steuern brauchen, in: Le Monde diplomatique Oktober 2022)

Laut einer Mitteilung des Netzwerks für Steuergerechtigkeit vom 18. März 2025 fielen zwischen 2021 und 2023 auf Multimillionen- und Milliardenübertragungen im Durchschnitt nur 2,9 Prozent Steuern an – im Jahr 2023 waren es sogar nur 0,1 Prozent. Erben kleinerer steuerpflichtiger Vermögen zahlten im Schnitt das Dreifache: 9 Prozent.

 

In der Regel wöchentlich aktualisierte Informationen zur Thematik finden Sie unter der Überschrift „Der Skandal des Reichtums“ auf dieser Website.


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