Der Skandal des Reichtums: 29./30. KW

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Selig sind die Armen (die, die nicht mehr haben, als sie wirklich brauchen),
denn ihrer ist das Reich Gottes.

Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.

Jesus von Nazaret

 

In einer Welt, die nach den Spielregeln des Reiches Gottes eingerichtet ist,
in einer Welt, in der die Menschen weltverbunden leben,
steht jedem Menschen zur Verfügung, was er zum Leben braucht – nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Es ist eine Welt, in der niemand mehr arm zu sein braucht und in der niemand mehr reich sein möchte.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 19. Juli 2024

 

„Was ich sehe?“ antwortete der Esel. „Einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räuber sitzen daran und lassen’s sich wohl sein.“ „Das wäre was für uns“, sprach der Hahn.

Aus dem Märchen von den Bremer Stadtmusikanten, das im Juli 1819 in der zweiten Auflage der „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Die Ausgebeuteten, Abgeschobenen, Marginalisierten tun sich zusammen, schlagen die Räuber in die Flucht und setzen sich selber zu Tisch.

 

„Seit Jahren blockieren Deutschland und die EU eine effektive Kontrolle illegaler und unlauterer Finanzströme. Nach Schätzungen der UN sind es jährlich 650 Milliarden Dollar, die nationalen Finanzbehörden durch Steuerflucht und -vermeidung verloren gehen. Aber nicht deren Profiteure gelten als sozial schwach, sondern die, die auf soziale Beihilfen angewiesen sind. Nicht die Möglichkeit, einen ‚Verschonungsbedarf‘ geltend zu machen, mit der Superreiche selbst auf milliardenschwere Schenkungen keine Steuern zahlen müssen, ist der Regierung ein Dorn im Auge, sondern das ‚Schonvermögen‘ von Bedürftigen, dessen Karenzzeit nun halbiert werden soll.“

Aus dem Artikel „Ein Pakt für die Zukunft? Ohne Steuergerechtigkeit geht das nicht“ von Thomas Gebauer in der Frankfurter Rundschau vom 16. Juli 2024

 

Informationen zur Gesamtthematik finden Sie hier.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 12. Juli 2024

 

„… dafür sorgen, dass jeder Mensch ungefähr gleich viel Geld hat.“

Kian (8 Jahre) auf die Frage „Was würdest du tun, wenn du Bundeskanzler wärst?“ (Der Deutsche Kinderschutzbund hatte vor der Bundestagswahl am 22. September 2013 Kinder und Jugendliche aufgefordert, sich zu dieser Frage zu äußern)

 

Dem am 10. Juli 2024 veröffentlichten Global Wealth Report der Boston Consulting Group (BCG) zufolge besaßen in Deutschland die 3300 Superreichen („Ultra High Net Worth Individuals“), das sind Menschen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar, im Jahr 2023 fast ein Viertel (23 Prozent) des gesamten Finanzvermögens. Sie konnten einen Zuwachs von im Schnitt zehn Prozent verbuchen. Zusätzlich zu den Superreichen gibt es demnach hierzulande etwa 555.000 Dollarmillionäre, 30.000 mehr als vor einem Jahr. Die meisten Superreichen, nämlich 26.000, leben laut Global Wealth Report in den USA, auf dem zweiten Platz liegt China mit 8300 Superreichen; Deutschland belegt mit 3300 Superreichen den dritten Platz.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 5. Juli 2024

 

Wenn ich daher alle unsere Staaten, die heute irgendwo in Blüte stehen, im Geiste betrachte und über sie nachdenke, so stoße ich, so wahr mir Gott helfe, einzig und allein auf eine Art Verschwörung der Reichen, die unter Missbrauch des Namens- und Rechtstitels eines Staates nur auf ihre persönlichen Interessen bedacht sind.

Thomas Morus (englischer Staatsmann und Humanist, hingerichtet am 6. Juli 1535), aus „Utopia“ (1516)

 

Laut der am 2. Juli 2024 von der vom Netzwerk Steuergerechtigkeit und Oxfam Deutschland veröffentlichten Studie „Keine Angst vor Steuerflucht“ hat Deutschland durch Aussetzung der bis 1996 erhobenen Vermögenssteuer von einem Prozent von 1997 bis Ende 2023 auf Steuereinnahmen von mindestens 380 Milliarden Euro verzichtet. Gleichzeitig sind in diesem Zeitraum die Vermögen der hundert reichsten Deutschen um etwa 460 Milliarden Euro gewachsen.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 28. Juni 2024

 

Wir mögen Demokratie haben oder Reichtum in den Händen der wenigen, aber wir können nicht beides haben.

Louis Brandeis (1856–1941, US-amerikanischer Jurist)

 

Die weltweit zunehmende Ungleichheit von Einkommen und vor allem Vermögen hat in den letzten Jahrzehnten einen neuen Finanzadel erzeugt. Multimilliardär:innen bestimmen mit ihrem unerschöpflichen Reichtum die Politik und regieren faktisch mit. UN-Generalsekretär António Guterres sieht in deren enormer Macht ein wesentliches Hindernis für Weltpolitik und Demokratie.

Aus dem Artikel „Sozialstaat in Gefahr. Superreiche regieren faktisch mit“ von Jens Holst in der Frankfurter Rundschau vom 27. Juni 2024

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Zum Börsenschluss am Freitag, 21. Juni 2024

 

Eine Gesellschaft mit ungerechter Güterverteilung braucht Gewalt. Nur mit Gewalt können einige wenige anderen das vorenthalten, was ihnen gerechterweise zusteht. Ungleichheit zwischen Reichen und Armen ist nur durch Gewalt aufrechtzuerhalten.

Walter Wink, Verwandlung der Mächte. Eine Theologie der Gewaltfreiheit, Regensburg 2014, S. 67

 

Oxfam schätzt, dass eine moderate Steuer für Millionär*innen ab einem Vermögen von fünf Millionen US-Dollar und Milliardär*innen in den G7-Ländern mehr als eine Billion US-Dollar pro Jahr einbringen könnte. In der G7 sind 1.211 Milliardär*innen (etwa 45 Prozent der Milliardär*innen weltweit) mit einem Gesamtvermögen von acht Billionen US Dollar vertreten. Ihr Reichtum ist in den letzten zehn Jahren real um 74 Prozent gestiegen. 

Aus einer Mitteilung der Hilfsorganisation Oxfam vom 12. Juni 2024 anlässlich des Gipfels der G7-Staaten in Italien

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Zum Börsenschluss am Freitag, 14. Juni 2024

 

Es stimmt, dass wir uns darum kümmern müssen, dass andere Lebewesen nicht verantwortungslos behandelt werden. Doch in besonderer Weise müssten uns die Ungerechtigkeiten in Wut versetzen, die unter uns bestehen, denn wir dulden weiterhin, dass einige sich für würdiger halten als andere. Wir bemerken nicht mehr, dass einige sich in einem erniedrigenden Elend dahinschleppen ohne wirkliche Möglichkeiten, es zu überwinden, während andere nicht einmal wissen, was sie mit ihrem Besitz anfangen sollen, voll Eitelkeit eine vorgebliche Überlegenheit zur Schau stellen und ein Ausmaß an Verschwendung hinter sich zurücklassen, das unmöglich verallgemeinert werden könnte, ohne den Planeten zu zerstören. Wir lassen in der Praxis weiterhin zu, dass einige meinen, mehr Mensch zu sein als andere, als wären sie mit größeren Rechten geboren.

Papst Franziskus in der am 18. Juni 2015 veröffentlichten Enzyklika „Laudato si“ von 2015 (aus Nr. 90)

 

Wie die Investmentgesellschaft „Janus Henderson“ in London berichtete, haben die 1200 größten börsennotierten Unternehmen weltweit ihren Anlegerinnen und Anlegern im ersten Quartal dieses Jahres insgesamt eine Dividende von 339,2 Milliarden Dollar ausgezahlt – eine Rekordsumme.

Als Dividende wird in der Wirtschaft der Teil des Gewinns bezeichnet, den ein börsennotiertes Unternehmen an seine Aktionär:innen ausschüttet, also an Menschen, die für Geld, das sie nicht brauchen, Aktien erworben haben, deshalb am Gewinn ihrer Aktiengesellschaft beteiligt werden und auf diese Weise ihr nicht benötigtes Geldvermögen noch weiter erhöhen – anstatt über eine Ökonomie nachzudenken, die es nicht mehr zulässt, dass ein Mensch über mehr Geld verfügt, als er braucht, und/oder zumindest nicht benötigtes Geld an Institutionen weiterzuleiten, die sich für eine Transformation unserer ungerechten Ökonomie einsetzen und Organisationen unterstützen, die die aktuelle Verelendung so vieler Menschen auf unserer Erde jedenfalls ein wenig zu lindern versuchen. Es ist kein gutes Leben.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 7. Juni 2024

 

Der Glaube, dass Wissenschaft und Technologie die Erde vor den Folgen des Klimawandels bewahren wird, ist irreführend. Nichts wird unsere Kinder und Kindeskinder vor einer irdischen Hölle retten. Es sei denn: Wir organisieren den Widerstand gegen die Gier des globalen Kapitalismus.

Josef Weizenbaum (1923–2008, deutsch-US-amerikanischer Informatiker sowie Wissenschafts- und Gesellschaftskritiker)

 

Laut dem am 5. Juni 2024 veröffentlichten „World Wealth Report“ des Beratungsunternehmens Capgemini ist die Zahl der Menschen, die über ein anlagefähiges Vermögen von mindestens einer Million Dollar verfügen, im Jahr 2023 weltweit um 5,1 Prozent auf geschätzt 22,8 Millionen gestiegen – den Angaben zufolge der höchste Stand seit der ersten Auswertung im Jahr 1997. Das Vermögen der Reichen legte um 4,7 Prozent auf den Höchstwert von etwa 86,8 Billionen Dollar (79,64 Billionen Euro) zu.
Die meisten Dollar-Millionär:innen, 7,431 Millionen Menschen, leben in den USA, gefolgt von Japan mit 3,777 Millionen Personen. An dritter Stelle steht Deutschland mit 1,646 Millionen Dollar-Millionär:innen, deren Vermögen um 2,2 Prozent auf 6,28 Billionen Dollar gestiegen ist.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 31. Mai 2024

 

Damit jeder seinen Wunsch nach Anerkennung entfalten kann, indem er sich in prosozialen Tätigkeiten, zum Wohle der Gesellschaft, betätigt, muss man ein neues Regelwerk einführen, das zunächst einmal das Profitstreben um seiner selbst willen verbietet und folglich den daraus resultierenden extremen Reichtum, der aus Hybris angehäuft wird, unter Verleugnung der gemeinsamen Natürlichkeit, der gemeinsamen Menschheit und der gemeinsamen Sozialität.

Die konvivialistische Internationale, Das zweite konvivialistische Manifest. Für eine post-neoliberale Welt, Bielefeld 2020, S. 89

 

Worüber kaum jemand redet: Ein Großteil der Krankenkassenbeiträge fließt in die Profite privater Unternehmen. Ihr Anteil an den deutschen Kliniken ist von 1992 bis 2022 von 15,5 auf 39,9 Prozent gestiegen. Aber wer sich wirklich am Bedarf orientieren wollte, müsste die Privatisierung im Bereich öffentlicher Daseinsvorsorge weitgehend rückgängig machen. Mag sein, dass das revolutionär klingt. Aber eigentlich will Lauterbach ja die „Revolution“. Sagt er.

Letzter Absatz des Artikels „Keine Profite mehr für private Unternehmen“ unter „Das ‚Monster‘ Bürokratie“ von Stephan Hebel in der Frankfurter Rundschau vom 22. Mai 2024

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Zum Börsenschluss am Freitag, 24. Mai 2024

 

Omnia sunt communia (Alles gehört allen), und sollten eynem jeden nach seyner notdurft ausgeteylt werden.

Vermächtnis Thomas Müntzers (Theologe, Reformator, Drucker und Revolutionär in der Zeit des Bauernkrieges, hingerichtet am 27. Mai 1525 in Mühlhausen/Thüringen), formuliert 1525 unter der Folter auf der Wasserburg in dem nordthüringischen Städtchen Heldrungen

 

Ex-Beatle Sir Paul McCartney ist der erste britische Musiker mit einem Milliarden-Vermögen. Laut der als zuverlässig geltenden Schätzungen der Sunday Times“ beträgt sein Nettovermögen eine Milliarde Pfund (1.170.000.000 Euro). In der am 17. Mai 2024 veröffentlichten „Sunday Times Rich List“ liegen er und seine Frau Nancy damit auf Platz 165 der reichsten Menschen in Großbritannien.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 17. Mai 2024

 

Der Buchdrucker und Buchführer Hans Hergot, der am 20. Mai 1527 auf dem Leipziger Marktplatz hingerichtet wurde, gilt als Autor der von Thomas Müntzer, den Ideen Sebastian Francks und der Täuferbewegung beeinflussten sozialutopischen Schrift „Von der newen Wandlung eynes Christlichen Lebens“, die im Jahr 1527 anonym erschienen ist. In dieser Schrift wird eine universale christliche Gemeinschaft entworfen. Darin heißt es:

„Und es werden die leutte alle erbeyten, ynn gemeyn, eyn ytzlicher wo zu er geschickt ist und was er kan, und alle dinge werden ynn gemeynen brauch komen, so das es keyner besser haben wird denn der ander.“

 

„Die soziale Ungleichheit wächst nicht zuletzt, weil sich der Reichtum immer stärker in wenigen Händen konzentriert: Die fünf reichsten deutschen Unternehmerfamilien (Albrecht/Heister, Böhringer, Kühne, Quandt/Klatten und Schwarz) besitzen zusammen circa 250 Milliarden Euro – mehr als die ärmere Hälfte der Bevölkerung, das heißt weit über 40 Millionen Menschen.“

Aus dem Gastbeitrag „Die Vision einer egalitären Gesellschaft“ von Christoph Butterwegge in der Frankfurter Rundschau vom 16. Mai 2024

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Zum Börsenschluss am Freitag, 10. Mai 2024

 

„Der Luxus der wenigen ist das Elend der vielen.“

Abgewandelter Slogan der Blockupy-Bewegung

 

„Laut Forbes-Reichenliste leben nur in China, Indien und den USA mehr Milliardär*innen als in Deutschland.
Unter ihnen sind Susanne Klatten und Stefan Quandt das reichste Geschwisterpaar Deutschlands. Der Grund für ihren Reichtum: Sie haben u.a. knapp 48 Prozent am Autohersteller BMW geerbt. Laut Forbes kamen sie 2023 auf ein Vermögen von rund 49 Milliarden Euro, laut Manager Magazin waren es 40 Milliarden Euro.“

Superreiche (wieder) gerecht besteuern. Eine Analyse des effektiven Steuerbeitrags von Superreichen in der Schweiz, Österreich und Deutschland, Herausgeber: Oxfam Deutschland e. V., Netzwerk Steuergerechtigkeit; Stand: April 2024, S. 13

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Zum Börsenschluss am Freitag, 3. Mai 2024

 

Wir müssen ein neues System schaffen, das die Harmonie mit der Natur und zwischen den Menschen wiederherstellt. Gleichgewicht mit der Natur kann es nur geben, wenn es Gleichheit zwischen den Menschen gibt.

Aus der Erklärung der Weltkonferenz über den Klimawandel und die Rechte der Mutter Erde vom 20. bis 22. April 2010 in Cochabamba (Bolivien)

 

Laut der im April 2024 von Oxfam Deutschland e. V. und dem Netzwerk Steuergerechtigkeit herausgegebenen Studie Superreiche (wieder) gerecht besteuern. Eine Analyse des effektiven Steuerbeitrags von Superreichen in der Schweiz, Österreich und Deutschland sind die Vermögen in Deutschland, Österreich und der Schweiz höchst ungleich aufgeteilt: In der Schweiz verfügen die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung über 62,8 Prozent, das reichste Prozent allein über 31,5 Prozent des Gesamtvermögens, in Österreich verfügen die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung über 61,7 Prozent, das reichste Prozent allein über 30,1 Prozent des Gesamtvermögens, in Deutschland verfügen die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung über 57,6 Prozent, das reichste Prozent allein über 26,4 Prozent des Gesamtvermögens.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 26. April 2024

 

„Verschämte Armut ist längst zur Kehrseite unverschämten Reichtums geworden.“

Aus dem 1.-Mai-Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Jahr 2006

 

„Die Untersuchung zeigt, dass die tatsächlichen Steuersätze von Superreichen weit unter den vorgesehenen Höchststeuersätzen liegen, während der Mittelstand mit einem höheren Anteil seines Einkommens zum Steuer- und Abgabenaufkommen beiträgt. Dies liegt vor allem an Sonderregelungen und Steuerprivilegien für hohe Vermögens- und Unternehmenseinkommen.“

Aus der im April 2024 von Oxfam Deutschland e. V. und dem Netzwerk Steuergerechtigkeit herausgegebenen Studie Superreiche (wieder) gerecht besteuern. Eine Analyse des effektiven Steuerbeitrags von Superreichen in der Schweiz, Österreich und Deutschland

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Zum Börsenschluss am Freitag, 19. April 2024

 

Wir Arbeiter sind endlich müde, für die Faulenzer zu arbeiten, in Entbehrung zu leiden, während andere im Überfluss schwelgen. (…) Wir wollen frei werden und wollen, dass alle Menschen so leben wie wir, dass keiner besser und keiner schlechter bedacht werde als der andere, sondern sich alle in die gesamten Lasten, Mühen, Freuden und Genüsse teilen, das heißt in Gemeinschaft leben.

Aus der Erklärung des „Bundes der Gerechten“, eines Vorläufers und der Keimzelle der späteren sozialistischen und kommunistischen Parteien Europas und der Welt (der „Bund der Gerechten“ ging 1836 auf Initiative des Frühsozialisten mit christlichen Überzeugungen und ersten deutschen Theoretikers des Kommunismus, Wilhelm Weitling, in Paris aus dem dort schon seit 1834 bestehenden Bund der Geächteten hervor)

 

Wie das Beratungsunternehmen Ernst & Young errechnet hat, schütten die 40 Dax-Konzerne in diesem Jahr Dividenden in Höhe von insgesamt 53,8 Milliarden Euro ihre Aktionär:innen aus, eine Rekordsumme, 2,4 Prozent mehr als im Jahr 2023.

Als Dividende wird in der Wirtschaft der Teil des Gewinns bezeichnet, den ein börsennotiertes Unternehmen an seine Aktionär:innen ausschüttet, also an Menschen, die für Geld, das sie nicht brauchen, Aktien erworben haben, deshalb am Gewinn ihrer Aktiengesellschaft beteiligt werden und auf diese Weise ihr nicht benötigtes Geldvermögen noch weiter erhöhen – anstatt über eine Ökonomie nachzudenken, die es nicht mehr zulässt, dass ein Mensch über mehr Geld verfügt, als er braucht, und/oder zumindest nicht benötigtes Geld an Institutionen weiterzuleiten, die sich für eine Transformation unserer ungerechten Ökonomie einsetzen und Organisationen unterstützen, die die aktuelle Verelendung so vieler Menschen auf unserer Erde jedenfalls ein wenig zu lindern versuchen. Es ist kein gutes Leben.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 12. April 2024

 

Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: dies ist mein und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart haben, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: „Hütet euch, auf diese Betrüger zu hören; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass die Früchte allen gehören und die Erde niemandem“.

Jean-Jacques Rousseau (1712–1778, französischer Philosoph), Diskurs über die Ungleichheit [1755]. Kritische Ausgabe des integralen Textes, herausgegeben von Heinrich Meier, Paderborn 2008 (6. Auflage), 173

 

Der Bodenbesitz ist fast überall eine Quelle permanent sprudelnden, privaten Reichtums und damit gleichzeitig die Ursache für Not, Ungerechtigkeit, Leid und Elend.
Ein Gros der leistungslosen Einkünfte besteht aus Bodenerträgen. Die Abschöpfung dieser „Bodenrenten“ genannten Privilegien zum Nutzen der Allgemeinheit gehörte immer zum Repertoire linker, fortschrittlicher Kräfte. Doch die Landbesitzenden haben bis heute den längeren Atem.

Aus: Klaus Willemsen, Bodenrenten abschöpfen, in: Frankfurter Rundschau vom 4. April 2024

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Zum Börsenschluss am Freitag, 5. April 2024

 

A true revolution of values will soon look uneasily on the glaring contrast of poverty and wealth. With righteous indignation, it will look across the seas and see individual capitalists of the West investing huge sums of money in Asia, Africa, and South America, only to take the profits out with no concern for the social betterment of the countries, and say, „This is not just.“

Eine echte Revolution der Werte wird den schreienden Gegensatz von Armut und Reichtum sehr bald mit großer Unruhe betrachten. Sie wird nach Übersee blicken und mit gerechter Empörung darauf hinweisen, dass einzelne Kapitalisten des Westens riesige Geldbeträge in Asien, Afrika und Lateinamerika investieren, nur um zu verdienen und ohne Interesse an sozialen Fortschritten in jenen Ländern, und sie wird ausrufen: „Das ist ungerecht.“

Aus der Rede, die Martin Luther King am 4. April 1967, genau ein Jahr vor seiner Ermordung, in der New Yorker Riverside Church gehalten hat („Riverside Church speech“)

 

Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 2. April 2024 finanzierte im Jahr 2023 jede hundertste Person von 25 bis 64 Jahren ihren Lebensunterhalt überwiegend nicht durch eigene Erwerbstätigkeit, sondern aus dem eigenen Vermögen, Kapitalerträgen oder Einkünften aus Vermietung und Verpachtung.

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Zum Börsenschluss am Donnerstag, 28. März 2024

 

Das Privateigentum ist für niemand ein unbedingtes und unumschränktes Recht. Niemand ist befugt, seinen Überfluss ausschließlich sich selbst vorzubehalten, wo andern das Notwendigste fehlt.

Papst Paul VI., Enzyklika „Populorum progressio“ (Über die Entwicklung der Völker) vom 26. März 1967 (Nr. 23)

 

Seit der Wiedervereinigung sind auf Basis der Brutto-Lohnquote von 1993 fast 4,4 Billionen Euro zu Gunsten der Kapitaleigentümer umverteilt beziehungsweise ist das Einkommen der abhängig Beschäftigten geplündert worden.
Dies erklärt dann auch, dass mittlerweile 8,3 Millionen Menschen Bruttolöhne von unter 14 Euro die Stunde bekommen. Das betrifft jeden fünften Beschäftigten in Deutschland. Hier erleiden abhängig Beschäftigte trotz Arbeit Armut und später, wenn sie nicht mehr arbeiten können, Altersarmut. Ist das soziale Marktwirtschaft? Nein: das ist weiter praktizierter unheilvoller Neoliberalismus, der zu immer mehr Rechtsradikalismus führt.

Aus dem Artikel “Zu hohe Gewinne. Folgen eines unheilvollen Neoliberalismus“ von Heinz-J. Bontrup in der Frankfurter Rundschau vom 5. März 2024

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Zum Börsenschluss am Freitag, 22. März 2024

 

In der Existenzweise des Habens findet der Mensch sein Glück in der Überlegenheit gegenüber anderen, in seinem Machtbewusstsein und in letzter Konsequenz in seiner Fähigkeit, zu erobern, zu rauben und zu töten.
In der Existenzweise des Seins liegt es im Lieben, Teilen, Geben.

Erich Fromm (23. März 1900–18. März 1980, Psychoanalytiker und Philosoph)

 

„Große Vermögen werden heute nicht mehr erarbeitet, sondern geerbt; Gewinne des Wirtschaftswachstums gehen überwiegend an besonders Reiche, während dem Rest der Gesellschaft nur ein kleiner Teil verbleibt.“ (…) Eine weiße männliche Elite „zieht überproportional viele Gelder aus der Volkswirtschaft ab. Sie investiert auf wenig regulierten Finanzmärkten zu sehr in braune umweltschädliche Wirtschaft. Ihre Immobilieninvestitionen verteuern Wohnraum und verstärken den Trend der Umverteilung von unteren und mittleren Einkommen zu Rentiers.“

Aus dem Artikel „Ungleichheit abbauen“ von Silke Ötsch in der Reihe „Gastwirtschaft“ der Frankfurter Rundschau vom 19. März 2024

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Zum Börsenschluss am Freitag, 15. März 2024

 

Trotz einiger Hoffnungsschimmer waren wir mit todbringenden Kräften konfrontiert, die die Weltordnung erschüttern und vielen Menschen Leid bringen. Wir mussten klar erkennen, dass die schockierende Anhäufung von Reichtum durch ein einziges globales Finanzsystem einige wenige Menschen sehr reich und sehr viele sehr arm macht. Dies ist die Grundursache für viele der derzeitigen Kriege und Konflikte, für die Umweltzerstörung und das Leid. Uns ist bewusst, dass die Menschen am Rand der Gesellschaft die schwerste Last tragen. Das weltweite imperiale System hat den Finanzmarkt zu einem Götzen unserer Zeit gemacht und die Kulturen der Vorherrschaft und der Diskriminierung gestärkt, die immer noch Millionen von Menschen gesellschaftlich marginalisieren und ausschließen und sie so verwundbar und anfällig für Ausbeutung machen.

Aus dem „Aufruf von Arusha“, den die Teilnehmenden der Konferenz für Weltmission und Evangelisation (CWME) des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Arusha (Tansania) am 13. März 2018, dem letzten Tag der Konferenz, verfasst und verkündet haben

 

„Solange Milliardäre ihr überschüssiges Geld in Beton und Boden parken können, ist etwas faul im Staat und auf der Welt.“

Aus dem Artikel „Deutschlands Wirtschaftskrise: Sind Sozialausgaben das wahre Problem?“ von Jens Holst in der Reihe „Gastwirtschaft“ der Frankfurter Rundschau vom 15. März 2024

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Zum Börsenschluss am Freitag, 8. März 2024

 

Reichtum und Armut sind gleichmäßig verkehrte Zustände; sie gehören nicht in einen geordneten Staat, sie sind mit dem Bürger- und Völkerfrieden unvereinbar.

Silvio Gesell (17. März 1862–11. März 1930, deutscher Kaufmann, Finanztheoretiker, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre), aus „Die Natürliche Wirtschaftsordnung“ (1920)

 

Laut einer am 4. März 2024 veröffentlichten Aktualisierung des Bloomberg-Milliardärs-Rankings ist der Amazon-Gründer Jeff Bezos mit rund 200 Milliarden Dollar (184 Milliarden Euro) der reichste Mensch der Welt. Mit 198 Milliarden Dollar liegt Elon Musk, der Chef des Autoherstellers Tesla und weiterer Unternehmen, auf Platz zwei. Drittreichster Mensch der Welt ist der Chef des französischen Luxusgüterkonzern LVMH, Bernard Arnault, mit einem Vermögen von 197 Milliarden Dollar.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 1. März 2024

 

Wenn alle Dinge in den Städten Gemeingut wären, wären auch Herren und Jedermann gemein. Wenn niemand die Interessen seiner Nachbarn verletzte, wenn ein jeder für das gemeinsame Wohl arbeitete, würde es nicht Kampf und Zwietracht geben (…) Tretet herzu und helft alle Ungleichheiten zu zerstören, durch die die ganze Welt in Trümmern liegt.

Aus der „Reformatio Sigismundi“ (ab 1476 in immer neuen Auflagen gedruckt; eine der verbreitetsten Flugschriften der deutschen Bauernkriege und des Reformationszeitalters)

 

„De facto steht Wachstums- und Gewinnlogik weiterhin einem moderneren ökonomischen Denken entgegen. Der Bereich Gesundheit, in dem zu über 80 Prozent Frauen arbeiten, zeigt dies. Finanzinvestoren erhielten Zutritt. Namentlich Private-Equity-Gesellschaften investieren, etwa in einzelne Unternehmen oder ganze Ketten. Nach Auskunft des Vereins Finanzwende liegen die Erwartungen kurzfristiger Gewinne bei deutlich über zehn Prozent, Steueroase häufig inklusive.
Nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung lag der Anteil an Übernahmen seitens solcher Gesellschaften in Deutschland für den Gesundheitssektor im Jahr 2012 bei zwei Prozent, 2018 dann bei 29 Prozent. Gesundheit ist die wichtigste Zielbranche. Betroffen sind besonders Pflegeheime und -dienste, Arztpraxen und medizinische Versorgungszentren (MVZ) mit verschiedenen Gesundheitsberufen unter einem Dach.“

Aus: „Platzverweis für Finanzinvestoren. Der Staat darf in der Pflege nicht zu viel privatisieren. Er muss die Kontrolle behalten“ von Petra Schmidt-Wiborg, Frankfurter Rundschau vom 29. Februar 2024

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Zum Börsenschluss am Freitag, 23. Februar 2024

 

„Nicht nur Armut, auch Reichtum muss ein Thema der politischen Debatte sein.“

Aus dem unter dem Titel „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ am 28. Februar 1997 veröffentlichten „Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland“ (Sozialwort); Nr. 24 und 220

 

„Eine Handreichung finden wir dieser Tage in zweiseitigen Zeitschriftenanzeigen der Bayerischen Motorenwerke. ‚Luxus neu interpretiert‘ lautet dort die schlichte Kopfzeile über dem Foto eines BMW i7. Dass es sich dabei um mehr als ein Auto handelt, erklärt die Bildunterschrift: ‚Vollelektrisch und elegant, ein Gesamtkunstwerk, das unsere Sinne berührt‘. (…)
Es ist keine gemischte Tüte, die uns emotional berührt, kein Buch, keine Schallplatte, keine gebrannte Mandel und kein Weihnachtsbaum – es ist ein Kraftfahrzeug. In diesem Falle besagter BMW, 2,7 Tonnen schwer, 5,06 Meter lang und 1,90 Meter breit mit einer Leistung von 455 bis 601 PS und einem Preis von 115.000 bis 181.000 Euro.“

Aus: „Wollen wir, was wir fühlen“, eine Kolumne von Michael Herl in der Frankfurter Rundschau vom 12. Dezember 2023

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Zum Börsenschluss am Freitag, 16. Februar 2024

 

Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt.
Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.

Erster und letzter Vers des Liedes „Selig seid ihr“ von Friedrich Karl Barth und Peter Horst (1979)

 

„(…) Oder hat der Fachkräftemangel vielmehr strukturelle Ursachen?
Eine solche strukturelle Ursache könnten stetig wachsende leistungslose Einkommen in Deutschland sein. Und damit meine ich nicht nur Empfänger von Bürgergeld, sondern insbesondere die Zinsempfänger. Die Zinsen sind immer noch sehr niedrig, und Reichtümer verdient man damit nicht, mögen einige jetzt einwenden. Ob man aber Reichtümer verdient, hängt von dem sich zu verzinsenden Geldvermögen ab. Die Zahl derjenigen Familien in Deutschland, die mehr als 500.000 Euro im Jahr an Zinseinnahmen haben, ist deutlich höher als die der nicht besetzten Fachkräftestellen auf dem Arbeitsmarkt. Warum sollte man sich auf dem Arbeitsmarkt anbieten, wenn man doch ohnehin ausgesorgt hat?“

Aus dem Artikel „Leistungslose Einkommen. Liegt da die Ursache des Fachkräftemangels?“ von Felix Fuders in der Frankfurter Rundschau vom 5. Januar 2024

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Zum Börsenschluss am Freitag, 9. Februar 2024

 

„Ich will mal sagen, das Leben der Reichen hatte wirklich etwas Ungesundes. Dieses viele überflüssige Zeug. Überflüssige Möbel und überflüssige Zimmer, überflüssige Empfindsamkeit, überflüssige Ausdrücke. Das habt ihr sehr gut gemacht, dass ihr euch eingeschränkt habt. Aber das ist noch zu wenig. Wir müssen noch mehr abgeben.“

„Und da zeigte sich, dass nur ein Leben, das dem der Mitmenschen gleicht und spurlos darin aufgeht, wirkliches Leben und dass eine abgesonderte Freude keine Freude ist…“.

Aus: Boris Pasternak, Doktor Shiwago. Roman. Deutsch von Thomas Reschke, Frankfurt am Main 2007

 

Die Großverdiener des Sports im Jahr 2023 laut „Forbes-Magazin“ in Millionen Euro:

      1. Cristinano Ronaldo (Fußball): 126
      2. Lionel Messi (Fußball): 120
      3. Kylian Mbappe (Fußball): 111
      4. LeBron James (Basketball): 110
      5. Canelo Alvarez (Boxen): 101
      6. Dustin Johnson (Golf): 99
      7. Phil Mickelson (Golf): 98
      8. Stephen Curry (Basketball): 93
      9. Roger Federer (Tennis): 88
      10. Kevin Durant (Basketball): 82

 

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 29. Dezember 2023

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Zum Börsenschluss am Freitag, 2. Februar 2024

 

The earth provides enough to satisfy every man’s needs, but not every man’s greed.
Die Erde bietet genug, um jedermanns Bedürfnisse zu befriedigen, aber nicht jedermanns Gier.

Mohandas „Mahatma“ Gandhi (* 1869, + 30. Januar 1948, indischer Rechtsanwalt, Widerstandskämpfer, Pazifist)

 

„Wer große Vermögen erbt, zahlt dank der Privilegien oft gar keine Steuern – im Gegensatz zu Menschen, deren Erbe die Freibeträge nur knapp überschreitet. Dass es so nicht geht, haben höchste deutsche Gerichte schon mehrfach festgestellt, zuletzt der Bundesfinanzhof 2017. Doch ein sogenannter Nichtanwendungserlass legte 2018 fest, dass dieses Urteil ignoriert werden soll.“

Aus dem Artikel „Erbschaften fair besteuern. Die Ampel sollte Privilegien für Reiche abschaffen“ von Gerhard Schick in der Frankfurter Rundschau vom 28. Dezember 2023

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Zum Börsenschluss am Freitag, 26. Januar 2024

 

Der Kommunismus ist die auf alle Menschen in den gleichen Verhältnissen ausgedehnte Gerechtigkeit, folglich begeht jeder Arbeitsfähige, der mehr genießt und weniger schafft als Andere, gegen diese ein Unrecht, einen Diebstahl, folglich kann sich ein jeder von denjenigen bestohlen betrachten, die mehr genießen und weniger arbeiten als er, folglich hat ein Jeder das Recht, das Gestohlene zurückzunehmen.

Wilhelm Weitling (+ 25. Januar 1871, Frühsozialist mit christlichen Überzeugungen, Pionier der Arbeiterbewegung; gilt als erster Theoretiker des Kommunismus in Deutschland)

 

Der Aktienbesitz kommt in erster Linie den reichsten Menschen der Welt zugute. Dem Bericht über globale Ungleichheit, den die Entwicklungsorganisation Oxfam am 14. Januar 2024 anlässlich des Weltwirtschaftsforums von Davos veröffentlichte, zufolge „besitzt das weltweit reichste Prozent 43 Prozent des gesamten Finanzvermögens. In Deutschland besitzt das reichste Prozent 41,1 Prozent des gesamten Finanzvermögens.“

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Zum Börsenschluss am Freitag, 19. Januar 2024

 

In aller Objektivität müssen wir zugeben, dass der Kapitalismus oft eine Kluft von Überfluss und Armut aufgerissen hat. Er schuf Bedingungen, die den Massen das Notwendigste vorenthielten, um den Luxus der wenigen zu ermöglichen.

Martin Luther King (1929–1968, US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler); am dritten Montag im Januar wird seit 1986 in allen US-Staaten jedes Jahr zum Gedenken an den Geburtstag Martin Luther Kings am 15. Januar 1929 der Martin Luther King Day begangen.

 

Laut dem Bericht über globale Ungleichheit, den die Entwicklungsorganisation Oxfam am 14. Januar 2024 anlässlich des Weltwirtschaftsforums von Davos veröffentlichte, haben die fünf reichsten Männer der Welt ihr Vermögen seit 2020 verdoppelt, während 60 Prozent der Weltbevölkerung ärmer geworden sind. Nach den Berechnungen von Oxfam „haben die fünf reichsten Männer der Welt ihr Vermögen seit 2020 von 405 Milliarden Dollar“ (etwa 360 Milliarden Euro) „auf 869 Milliarden Dollar“ (etwa 800 Milliarden Euro) „mehr als verdoppelt“. Das betrifft Elon Musk (Tesla), Bernard Arnault (LVMH), Jeff Bezos (Amazon), Larry Ellison (Oracle) und Warren Buffet (Berkshire Hathaway).
Das Gesamtvermögen der fünf reichsten Deutschen ist seit 2020 inflationsbereinigt um rund drei Viertel (73,85 Prozent) gewachsen, von etwa 89 auf etwa 155 Milliarden US-Dollar.
„Alle Milliardäre zusammen sind heute um 3,3 Billionen Dollar (34 Prozent) reicher als 2020“, das entspricht etwa 3000 Milliarden Euro.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 12. Januar 2024

 

„In der traditionellen Lebensweise gab es keine Städte, sondern allenfalls Siedlungsgebiete, miteinander verbundene Dörfer. Hier hatten die Leute ihre Gärten, die ihnen alles boten, was an Nahrungsmitteln gebraucht wurde, und zum Teil ist es heute noch so. Was sonst noch nötig oder gewünscht war, wurde getauscht, wie etwa Tabak, Salz und Kalk, wobei es feste Handelsrouten gab; als Zahlungsmittel galten Kaurimuscheln oder die allgegenwärtigen Schweine. Aber solche Geschäfte zielten nicht darauf ab, Gewinn zu machen oder das Gegenüber möglichst zu übervorteilen; sie waren vor allem ein soziales Ereignis, eingebettet in Begegnungen. Konkurrenz ist in unserer Vorstellungswelt das Lebenselixier gesunder Märkte. Hier ist sie eine Bedrohung gesunder sozialer Beziehungen. Und um Beziehungen dreht sich hier eigentlich alles.“

Aus: Katharina Döbler, Vom Santani-See zum Nimburan. Unterwegs in West-Neuguinea, in: Le Monde diplomatique, September 2023

 

„Schließlich steht der öffentlichen Armut ein gigantischer privater Reichtum gegenüber. Das private Nettovermögen ist fünfmal so groß wie die Staatsverschuldung. Dieser Reichtum konzentriert sich in wenigen Händen. Die fünf reichsten Deutschen haben mehr Vermögen als die Hälfte der Bevölkerung. Der Club der Superreichen – das reichste ein Prozent – besitzt ein Drittel des Gesamtvermögens. Jedes Jahr vererben und verschenken sie Vermögenswerte bis zu 400 Milliarden Euro. 60 Prozent des heimischen Privatvermögens wurden nicht erarbeitet.“

Aus dem Artikel „Eine Frage der Verteilung. Die Politik der Ampel ist unsozial“ von Dierk Hirschel in der Frankfurter Rundschau vom 31. Dezember 2023

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Zum Börsenschluss am Freitag, 5. Januar 2024

 

In der Existenzweise des Habens findet der Mensch sein Glück in der Überlegenheit gegenüber anderen, in seinem Machtbewusstsein und in letzter Konsequenz in seiner Fähigkeit, zu erobern, zu rauben und zu töten.
In der Existenzweise des Seins liegt es im Lieben, Teilen, Geben.

Erich Fromm (1900–1980, Psychoanalytiker und Philosoph)

 

„Weltweit eignen sich Konzerne und Investmentfonds immer mehr Boden an. Millionen Landbesitzerinnen und Landbesitzer werden beraubt oder enteignet, meist ganz legal. Gleichzeitig haben sich Bodenwerte seit der Jahrtausendwende vervielfacht, und mit ihnen die Erträge des Landadels. Der Besitz und die Spekulation mit Boden macht Investoren, Gauner und Erben reich.“

Aus dem Artikel „Über die Rolle des Bodens. Willkommen zurück im Feudalismus“ von Klaus Willemsen in der Frankfurter Rundschau vom 1. Dezember 2023

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Beispiele für das Vorjahr finden Sie hier.


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