Zum 9. Oktober 1967

Am Vormittag des 9. Oktober hat Guevara nach der Lehrerin des Dorfes, Julia Cortez, verlangt. Die schilderte das Gespräch so:

Guevara: „In Kuba gibt es bestimmt keine Schulen wie diese. Für uns wäre dies ein Gefängnis. (…)“
Cortez: „Unser Land ist arm.“
Guevara: „Aber die Regierungsbeamten und die Generäle fahren Mercedes und haben andere Dinge im Überfluss. Stimmt das nicht? Genau das bekämpfen wir.“
Cortez: „Sie sind von weither gekommen, um in Bolivien zu kämpfen.“
Guevara: „Ich bin Revolutionär und an vielen Orten gewesen.“
Cortez: „Sie sind gekommen, um unsere Soldaten zu töten.“

„40 Jahre nach seinem Tod kann das Bild Che Guevaras noch immer ein Funke sein, aus dem differenzierte, auch historisch klug gewordene Dissidenz entsteht, jenseits der Pose: Man sollte nicht versuchen, diesen Funken auszutreten. Er ist selten geworden.“ (Karin Ceballos Betancur in: Frankfurter Rundschau vom 8.10.2007)

Zitate:

Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.

Der wahre Revolutionär lässt sich von den großen Gefühlen der Liebe leiten. Er ist nicht denkbar ohne diese Eigenschaft.

„Ches Vermächtnis und sein Stellenwert in der Vorstellungskraft der Menschen in Kuba sowie auf der ganzen Welt gehen über seine militärischen Heldentaten und seine Theorie über Guerillakriegsführung hinaus. Eine ebenso große Rolle spielt seine Neuformulierung der sozialistischen Ideen. In seinen vielen, gut übersetzten texten schrieb Che, dass der Kommunismus nicht bloß auf eine Wirtschaftsform reduziert werden könne. Vielmehr sei der Kommunismus ein ‚Bewusstseinsphänomen‘ – ein Mittel, um die Entfremdung zu überwinden und einen ‚neuen Menschen‘ [hombre nuevo; C.P.] zu schaffen. ‚Ich habe kein Interesse an trockenem Wirtschaftssozialismus‘, schrieb Che. ‚Wir kämpfen gegen das Elend, aber wir kämpfen genauso gegen die Entfremdung. […] Marx beschäftigte sich sowohl mit wirtschaftlichen Faktoren als auch ihren Auswirkungen auf den menschlichen Geist. Wenn der Kommunismus sich nicht ebenso damit beschäftigt, dann mag er vielleicht eine Methode der Güterverteilung sein, aber keine revolutionäre Lebensweise.‘“ (Aviva Chomsky, Eine Geschichte der Kubanischen Revolution. Von der Conquista ins 21. Jahrhundert, aus dem Englischen von Margarita Ruppel, Unrast Verlag, Münster 2016, S. 57)


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