Zum 5. Januar 1968

Der Führungswechsel markierte – nach einigen Wochen Unklarheit über die neue Richtung – den Auftakt zu dem Reformkurs der tschechoslowakischen Regierungspartei, der in Verbindung mit dem Druck der kritisch gewordenen Öffentlichkeit zum Phänomen „Prager Frühling“ führte (allerdings gilt vielfach bereits die Kafka-Konferenz am 27. Mai 1963 als Auftakt des Prager Frühling).

Der Prager Frühling, das waren Reformversuche der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, die Menschen weit über das Land hinaus die Hoffnung auf einen anderen Kommunismus gaben – einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, wie damals das Schlagwort hieß, auf eine Politik ohne Unterdrückung, ohne Zensur, ohne politische Verfolgung. „Vieles schien darauf hinzuweisen, dass es vielleicht doch möglich sein würde, den humanen Gehalt der Ideen des Sozialismus zu retten, ihn von den Deformationen, die er in Russland erfahren hatte, zu befreien“, schrieb Eduard Goldstücker in seiner Biografie.


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