Zum 23. März 1997

Die Bewohner der zur Gemeinde zählenden elf Dörfer und Siedlungen lehnen jede Zusammenarbeit mit Soldaten, paramilitärischen Gruppen und der Guerilla prinzipiell ab. Waffen sind verboten, selbst wenn Bewohner weiterhin bedroht, vergewaltigt und getötet werden. Seither zahlt der Ort einen hohen Preis für den Einsatz für Frieden, über 180 Menschen wurden von verschiedenen bewaffneten Gruppen ermordet.

Seit Ende 2016 nehmen in der Umgebung der Friedensgemeinde San José de Apartadó paramilitärische Aktivitäten zu. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Friedensgemeinde und andere Personen, die in dieser Gegend leben, sind zunehmend Übergriffen und Drohungen ausgesetzt. Auch die paramilitärische Gruppe Autodefensas Gaitanistas de Colombia (AGC) dringt seit Dezember 2017 weiter vor, um die Kontrolle über die Friedensgemeinde zu erlangen, und droht Gemeindesprechern und Gemeindesprecherinnen mit dem Tod. Gildardo Tuberquia, Mitglied des Internen Rates der Friedensgemeinde von San José de Apartadó, berichtete, er habe 2017 mindestens acht Morddrohungen erhalten, zuletzt am 30. November. Am 29. Dezember wurde der Rechtsbeistand der Gemeinde, German Graciano Posso, von fünf Paramilitärs angegriffen und verletzt – Verdächtige wurden von den Behörden jedoch wieder freigelassen.
Seit der Gründung der Friedensgemeinde im Jahr 1997 sind mehr als 200 ihrer Bewohnerinnen und Bewohner getötet worden oder dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen, weitere Personen wurden bedroht oder sexuell missbraucht. Die Mehrzahl der Tötungen wurde von Paramilitärs mit Billigung und Unterstützung der Streitkräfte begangen. Die zunehmend angespannte Situation macht deutlich, dass auch mehr als 20 Jahre nach Gründung der Friedensgemeinde konkretes Handeln notwendig ist, um die Sicherheit ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zu gewährleisten.
Aus: Amnesty Journal 02–03/2018

Seit ihrer Gründung hat die Gemeinde weit mehr als 300 Tote zu beklagen; das Gros geht auf das Konto der Paramilitärs (Publik-Forum Nr. 14/2019 vom 26. Juli 2019).

San José de Apartadó wurde 2007 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. Zwei Repräsentanten der Friedensgemeinde San José de Apartadó wurden am 13. Mai und am 14. Juli 2007 nach Bekanntgabe der Preisträger ermordet.

Insgesamt gibt es heute etwa 50 Friedensgemeinden in Kolumbien.

Literatur:

  • Knut Henkel, »Eure Tage sind gezählt«. Trotz des Friedensabkommens herrscht in Kolumbien Anarchie. Paramilitärs treiben ihr Unwesen, etwa in der Friedensgemeinde San José de Apartadó, in: Publik-Forum Nr. 14/2019 vom 26. Juli 2019, S. 18–19

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