Ökosystem See
Ein SEE ist ein Stillgewässer mit oder ohne Zu- und Abfluss durch Fließgewässer, das vollständig von einer Landfläche umgeben ist. In einem See kommt es regelmäßig zu einer teilweisen oder vollständigen Durchmischung des Wasserkörpers, wobei Sauerstoff und Nährstoffe über den durchmischten Bereich gleichmäßig verteilt werden. Die Antriebskräfte für die Zirkulationen sind Wind und Dichteunterschiede: Kaltes, also dichteres Wasser sinkt nach unten, warmes, also weniger dichtes, steigt auf.
Die Bruttoprimärproduktion aller Seen weltweit ist auf 0,65 Petagramm Kohlenstoff pro Jahr abgeschätzt worden (1 Petagramm = 1 Milliarde Tonnen). Das ist im Verhältnis zur gesamten Bruttoprimärproduktion von 100 bis 150 Petagramm Kohlenstoff pro Jahr nicht viel. Seen sind darüber hinaus offensichtlich Netto-Quellen, und nicht etwa Senken, von Kohlendioxid. Gleichzeitig werden erhebliche Mengen Kohlenstoff in Seensedimenten festgelegt und so dem Kohlenstoffkreislauf entzogen. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich auf durch den erheblichen Zustrom von Biomasse aus terrestrischen Ökosystemen in Seen hinein. In Seen, die von Karbonatgesteinen umgeben sind, spielt auch der Einstrom in Form von gelöstem (Hydrogen-)Carbonat eine große Rolle, die diejenige der seeneigenen Atmung (Respiration) sogar übersteigen kann. Seen sind eben nur bei idealisierter Betrachtung isolierte Ökosysteme, in der Realität sind sie mit den terrestrischen Systemen eng gekoppelt und verwoben. Auch der organische Kohlenstoffzustrom in Seen erfolgt weit überwiegend in gelöster Form, nur ganz untergeordnet in fester. Die globale Nettoemission von Seen wird auf 0,53 Petagramm Kohlenstoff pro Jahr abgeschätzt. Das ist auch global betrachtet ein signifikanter Wert, der erstaunt, wenn man bedenkt, dass weniger als drei Prozent der kontinentalen Fläche von Seen eingenommen wird; der Wert ist mehr als halb so hoch wie der Nettoexport von Kohlendioxid in die Ozeane. (Quelle: Wikipedia)
Der größte Binnensee der Welt ist mit einer Fläche von etwa 371.000 Quadratkilometern das Kaspische Meer in Zentralasien. Infolge der Klimaveränderung schrumpft er rapide. Selbst bei moderater Erwärmung könnte der Wasserstand bis zum Jahr 2100 um bis zu zehn Meter fallen, bei höheren Temperaturen sogar bis zu 21 Meter (natur. Das Magazin für eine Welt im Wandel 8/2025, S. 31).
„Europas älteste Seen liegen im Dreiländereck zwischen Nordmazedonien, Albanien und Griechenland: der Ohrid- und der Prespasee. Die beiden Partner-Gewässer, die miteinander verbunden sind, formen seit über einer Million Jahren eine beispiellose Natur- und Kulturlandschaft.“ (Zur Sendung „Ohrid, Europas ältester See“ in der Reihe „Stille Wasser. Seenlandschaften unserer Erde“ auf arte)
Der Tonle Sap (Aussprache: [tunleː saːp], etwa: Großer See) im Zentrum Kambodschas ist der größte See Südostasiens und gilt als fischreichstes Binnengewässer der Erde: Über 200 Fischarten, 13 Schildkröten- und 23 Schlangenarten sind hier heimisch.
Der See Genezaret im Norden Israels ist der am tiefsten gelegene Süßwassersee der Erde (ca. 200 Meter unter dem Meeresspiegel).
Laut einer am 20. Januar 2021 veröffentlichten Studie in der Zeitschrift „Nature“ fördert die Klimaveränderung das Aufheizen von Seen. Perioden mit außergewöhnlich warmem Oberflächenwasser in stehenden Gewässern, sogenannte „Seen-Hitzewellen“, würden bis zum Ende des 21. Jahrhunderts an Intensität und Dauer zunehmen. Dies bedrohe die Artenvielfalt und bringe die Ökosysteme dieser Gewässer an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Inwiefern sich die Klimaveränderung auch auf große Seen im Binnenland auswirkt, wird in einem Artikel in der Zeitschrift Communications Earth & Environment am Beispiel des Kaspischen Meeres erläutert.
Unter anderem infolge der Klimakrise hat der einst riesige west- und zentralafrikanische Tschadsee zwischen 1963 und 2013 90 Prozent seines Wassers eingebüßt (Wasseratlas 2025, S. 14).
„Seen sind die Augen der Erde – mit jedem lebendigen See retten wir eine Welt“, sagte Credo Mutwa, der spirituelle Führer der südafrikanischen Zulus, anlässlich einer internationalen Living Lakes-Konferenz.
Anlässlich des Weltwassertages am 22. März benannten die internationale Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) und das Netzwerk Lebendige Seen Deutschland (NLSD) bis 2024 den Lebendigen See des Jahres, um auf Fortschritte und Erfolge im Feuchtgebietsmanagement hinzuweisen, und anlässlich des Welttags der Feuchtgebiete am 2. Februar das Living Lakes Netzwerk (LLN) und die internationale Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) den Bedrohten See des Jahres, um auf die ökologischen Herausforderungen und Bedrohungen aufmerksam machen, denen Seen und andere Feuchtgebiete weltweit ausgesetzt sind. Seit 2025 ersetzt ein See des Jahres den „Lebendigen“ und den „Bedrohten See des Jahres“. Die Bekanntgabe erfolgt seitdem am 27. August, dem im Jahr 2025 erstmals begangenen Welttag der Seen. See des Jahres 2025 ist der Kivu-See.

