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Flugverkehr

 

KLIMABELASTUNG DURCH DEN FLUGVERKEHR

 

Der Flugverkehr ist eines der größten Probleme für den Klimaschutz, weltweit und in Deutschland. Derzeit (2025) ist die zivile Luftfahrt für etwa sechs Prozent der vom Menschen verursachten Erderwärmung verantwortlich. Nach Angaben der Umweltforschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) belastet  der wachsende Luftverkehr das Weltklima immer stärker. Innerhalb von fünf Jahren sei der weltweite Kohlendioxid-Ausstoß von Flugzeugen um knapp ein Drittel auf 918 Millionen Tonnen 2018 gestiegen, heißt es in einem Arbeitspapier, das der ICCT am 19. September 2019 veröffentlichte. 81 Prozent davon entfielen auf Passagierflugzeuge. Für 22,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid seien im Jahr 2018 Passagierflugzeuge verantwortlich gewesen, die in Deutschland starteten, hieß es. Mehr von dem klimaschädlichen Gas verursachten nur Flüge aus den USA, China, dem Vereinigten Königreich und Japan. 1,5 Millionen Tonnen CO2 stammten aus Inlandsflügen in Deutschland.

Laut der NGO Atmosfair liegt der pro Kopf CO2-Ausstoß bei Flügen mit First und Business Class beim zwei- bis fünffachen der Economy-Class. Global entfallen auf das Premiumsegment über 20 Prozent der CO2-Emissionen des weltweiten Passagierluftverkehrs.

Nach Angaben des Bundesumweltamts ist der Flugverkehr global für fünf bis acht Prozent des Treibhauseffekts verantwortlich, wobei neben dem CO2-Ausstoß auch die zusätzliche Treibhauswirkung durch Wasserdampf, Ruß und Stickoxide in den hohen Luftschichten einzubeziehen sind. Die aus Flugzeugturbinen in großer Höhe freigesetzten Rußpartikel dienen als winzige Kondensationskeime, an denen sich Eiskristalle bilden. Die daraus entstehenden Kondensstreifen wiederum können als hohe Zirruswolken das Klima beeinflussen, indem sie Wasser absorbieren und Sonnenstrahlung oder Erdwärme reflektieren. Laut Hans Schlager vom Institut für Physik und Atmosphäre des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) „haben Kondensstreifen und die sich daraus bildenden Zirruswolken vermutlich eine größere Wirkung auf die Erdatmosphäre als alle über mehr als 100 Jahre in der Atmosphäre gesammelten Kohlendioxid-Emissionen des Luftverkehrs zusammen“ (Frankfurter Rundschau vom 22. Januar 2018).

Laut Hans-Jochen Hausmann, Senior Expert am Wuppertal Institut, setzt der weltweite Luftverkehr momentan in etwa so viele Treibhausgase frei wie ganz Deutschland (Quelle: fairkehr. VCD-Magazin für Umwelt, Verkehr, Freizeit und Reisen 1/2016, 24). Allerdings steigen die Passagierzahlen und Emissionen im internationalen Luftverkehr jährlich um vier bis fünf Prozent. Da Effizienzverbesserungen in neuen Flugzeugen dieses Wachstum nicht ausgleichen – günstigere Aerodynamik und leichtere Werkstoffe bringen im Schnitt nur rund zwei Prozent Reduktion pro Jahr –, nimmt der Anteil des Luftverkehrs an der Klimaveränderung weiter zu. Auf den Treibstoff des Luftverkehrs wird keine Energiesteuer, auf internationale Flüge keine Mehrwertsteuer erhoben.

Weil sich Jets in 9000 bis 13.000 Metern Höhe bewegen und ihre Abgase in sensiblen Bereichen der Atmosphäre ausstoßen, ist die Treibhauswirkung der Flugzeugabgase in Höhen über 9000 Metern ungleich höher als am Erdboden. Vergleicht man ein Flugzeug aus der Lufthansa-Flotte mit einem PKW mit vergleichbarem CO2-Ausstoß pro 100 Kilometer, so ergibt dies einen 2,7-mal so hohen Treibhauseffekt. Dieser für die Klimaveränderung wichtige RFI-Faktor („Radiative Forcing Index“, also Wärmestrahlung verstärkender Index) drückt aus, dass in der großen Flughöhe alle Emissionen zusammen 2,7-mal so stark klimaschädlich wirken wie das CO2 alleine. Dazu gehören Wasserdampf (sichtbar als Kondensstreifen), Methan, Lachgas, Ozon und Partikel.

Neben der Belastung der Atmosphäre durch die CO2-Emissionen des Kerosins dürfen die Folgen sogenannter Nicht-CO2-Emissionen nicht außer Betracht bleiben, deren negative Auswirkungen auf das Klima etwa dreimal so hoch sind wie die der CO2-Emissionen. Sie werden etwa durch die in großen Höhen erzeugten Kondensstreifen, die ebenfalls zur Wärmewirkung beitragen, sowie durch Wasserdampf, Ruß und andere Partikel verursacht. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass der Erwärmungseffekt dieser künstlichen Wolken mindestens so groß ist wie der der CO2-Emissionen des Luftverkehrs.

Laut einer am 25. Juni 2024 veröffentlichten Studie des europäischen Dachverbands von Verkehrs-NGOs, „Transport & Environment“, sind in Europa 52 Millionen Menschen im Umkreis von 32 Großflughäfen in besonderem Maße ultrafeinen Partikeln aus dem Luftverkehr ausgesetzt. Die Belastung mit ultrafeinen Partikeln in der Atemluft wird danach mit rund 280.000 zusätzlichen Fällen von Bluthochdruck, 330.000 Fällen von Diabetes und 18.000 Fällen von Demenz in Verbindung gebracht. Allein in Deutschland leben bis zu acht Millionen Menschen in der Umgebung großer Flughäfen.

Flüge über den Pazifik lassen einer Analyse zufolge besonders viel klimaschädliches Ozon entstehen. Betroffen seien vor allem die Routen nach Australien und Neuseeland oder von dort weg, berichten Forscher des Massachusetts Institute of Technology im August 2013 im amerikanischen Cambridge in den Environmental Research Letters.

Laut der Klimaschutzorganisation Atmosfair verursacht ein Hin- und Rückflug von Frankfurt nach New York pro Passagier im Schnitt 3652 Kilogramm Kohlendioxid. Damit ist die Jahresmenge von 2300 Kilogramm pro Kopf und Jahr, die laut Atmosfair noch eben klimaverträglich ist, um fast das Doppelte überschritten. Für jeden Personenkilometer stößt ein Flugzeug 211 Gramm klimaschädliches Kohlendioxid aus und damit deutlich mehr als ein Pkw (142 Gramm) sowie mehr als fünfmal so viel wie die Bahn im Fernverkehr (41 Gramm). Klimaverträglich dürfte jeder Mensch auf der Erde pro Jahr (!) höchstens 2500 Kilogramm Kohlendioxid erzeugen; soviel kann von den Pflanzen absorbiert werden, der Rest bedingt den Treibhauseffekt.

Laut einer Pressemitteilung des Umweltbundesamtes (UBA) vom 16. Juli 2025 wurden im Jahr 2024 in Deutschland von 75 Airlines rund 8,9 Millionen Tonnen Treibhausgas emittiert, im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von rund 16 Prozent.

25 Prozent der Gesamtemissionen des Luftverkehrs werden durch den Frachtverkehr erzeugt. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um internationalen Frachtverkehr. Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts vom 20. März 2025 wurden im Jahr 2024 an den deutschen Hauptverkehrsflughäfen 4,7 Millionen Tonnen Luftfracht transportiert.

Im EU-VERKEHRSBEREICH hat sich der Luftverkehr zum größten Wachstumstreiber beim Emissionsausstoß entwickelt: seit 1990 haben sich die Emissionen verdoppelt. Falls die Politik nicht gegensteuert, könnten sie sich bis 2050 erneut verdreifachen. Im Jahr 2018 wuchs der CO2-Ausstoß im Flugverkehr um 4,9 Prozent, in den vergangenen fünf Jahren waren es 26,3 Prozent. Der Flugverkehr ist in der EU für rund drei Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Laut einer am 30. März 2023 veröffentlichten Greenpeace-Analyse ist die Zahl der Privatjetflüge in Deutschland im Jahr 2022 um 76 Prozent auf 58.424 gestiegen. Sie verursachten einen CO2-Ausstoß von 208.645 Tonnen – so viel wie die durchschnittlichen Jahresemissionen von 130.000 Pkw pro Jahr. Europaweit habe sich der Ausstoß von Treibhausgasen durch Privatjetflüge im Jahr 2022 mehr als verdoppelt. Gut die Hälfte dieser europaweiten Flüge (55 Prozent) waren Kurz- und Ultrakurzflüge von weniger als 750 Kilometern. Die kürzeste registrierte Strecke in Deutschland mit mehr als zehn Flügen im Jahr war Stuttgart-Böblingen, Städte, die keine 15 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt sind. Reisende verursachen in einem Privatjet 14-mal mehr CO2 als in einem normalen Passagierflugzeug, und 50-mal mehr als auf einer Bahnreise. Laut einer Ende März 2023 veröffentlichten Analyse des Forschungsinstituts CE Delft ist die Zahl der Privatflüge in Europa im Jahr 2022 um 64 Prozent auf 572.806 gestiegen. Wie Recherchen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und Süddeutscher Zeitung (SZ) zeigen, sind im Jahr 2022 von deutschen Flughäfen aus so viele Privatjets wie nie zuvor gestartet. Insgesamt mehr als 94.000 Starts von Flugzeugen aus dem sogenannten Business-Segment verzeichnete die Luftkontroll-Organisation Eurocontrol – also etwa 260 Flüge täglich, ein Zuwachs von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Privatjet-Flüge machten damit etwa zwölf Prozent des gesamten Flugverkehrs in Deutschland aus.

„Trotz Online-Konferenzen steigen Hunderttausende täglich in Flugzeuge, um Konferenzen oder Kunden zu besuchen, oft über den Globus, nicht selten auch hierzulande. Die Zahl der Flüge mit Businessjets innerhalb von Deutschland ist von 85.439 im Jahre 2019 auf 94.317 in 2022 gestiegen. Das ergaben Berechnungen von Stefan Gössling, der an der Universität im schwedischen Växjö zum Flugverkehr forscht.
51.081 dieser Flüge legten weniger als 300 Kilometer zurück. Sie pusteten dabei fünf bis sechs Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre, halb so viel wie jeder Bundesbürger und jede Bundesbürgerin in einem ganzen Jahr.“ (Wolfgang Kessler, Ungehorsam für das Klima, in: Frankfurter Rundschau vom 20. Oktober 2023)

 

ENTWICKLUNG DES FLUGVERKEHRS

 

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat der Flugverkehr enorm zugelegt. Zählte man in den 1950er Jahren weltweit rund 50 Millionen Passagiere pro Jahr, waren es im letzten Vor-Corona-Jahr 2019 rund 4,5 Milliarden. Derzeit wächst der internationale Luftverkehr um fast fünf Prozent im Jahr. In nur 13 Jahren, von 2005 bis 2018, hat er sich verdoppelt (Mobilitätsatlas. Daten und Fakten für die Verkehrswende, 2019, S. 26). Wie der Internationale Luftfahrtverband Iata anlässlich seines Jahrestreffens in Dubai am 3. Juni 2024 mitteilte, dürfte die Zahl der Fluggäste im Jahr 2024 auf knapp fünf Milliarden und der Gewinn der Unternehmen auf mehr als 30 Milliarden Dollar ansteigen, womit neue Höchststände erreicht würden. Fachleute prognostizieren, dass die Zahl der Flugreisen von derzeit (2025) rund fünf Milliarden pro Jahr bis 2050 auf 12,4 Milliarden ansteigen wird.

Hier kann man sehen, wie viele Flugzeuge gerade weltweit unterwegs sind.

Eine elitäre Minderheit von Vielfliegern verursacht den größten Teil jener Klimaschäden, die durch die Emissionen des Flugverkehrs entstehen. Zu diesem Schluss kommen Stefan Gössling und Andreas Humpe, Professoren für nachhaltigen Tourismus und nachhaltige Mobilität in Lund und München. In ihrer im November 2020 in der Zeitschrift „Global Environmental Change“ erschienenen Flugverkehrs-Studie zeigen sie: Während 80 Prozent der Weltbevölkerung überhaupt nicht fliegen, gibt es eine kleine Gruppe, die fast täglich fliegen und mit ihrem Verhalten unserer Umwelt besonders schaden: Ein Prozent der Weltbevölkerung verursacht die Hälfte der CO2-Emissionen aus dem Personen-Flugverkehr, die Vielflieger (vielfach schwerreiche Personen mit ihren Privatjets).

Schätzungen zufolge sind zwischen 80 und 90 Prozent der Weltbevölkerung noch nie geflogen.

 

Wie der Flughafenverband ACI Europe am 12. Februar 2025 mitteilte, wurden auf den europäischen Flughäfen im Jahr 2024 mehr als 2,5 Milliarden Reisende gezählt, 7,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

In Schweden zeigt der Gedanke, dass man sich schämen muss, durchs Fliegen die Klimaveränderung voranzutreiben (flygskam, „Flugscham“), bereits Wirkung: Wie der staatliche Flughabenbetreiber Swedavia mitteilte, ist die Zahl der Flugpassagiere von Januar bis Oktober 2019 im Inlandsverkehr um fast neun Prozent und bei Auslandsflügen um 2,2 Prozent gesunken. Ein ähnlicher Trend zeichnet sich auch in Dänemark ab. Dort haben die Inlandsflüge im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent abgenommen.

 

Laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 1. Dezember 2025 sind während des Sommerflugplans von April bis Oktober 2025 rund 68,5 Millionen Fluggäste von den deutschen Hauptverkehrsflughäfen ins Ausland gestartet, 3,0 Millionen oder 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Passagieraufkommen im innerdeutschen Luftverkehr ist im Vergleich zum Sommer 2024 um 0,7 Prozent auf 5,3 Millionen Fluggäste gesunken. Für den gesamten Luftverkehr erhöhte sich die Zahl der Fluggäste im Sommer 2025 gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent auf 73,7 Millionen.

Einer Fluggastbefragung zufolge, die die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) am 15. August 2023 veröffentlicht hat, nutzen in Deutschland mittlerweile vier von fünf Passagieren das Flugzeug für private und touristische Reisen – 19 Prozent mehr als im Jahr 2008. Der Anteil der Berufsreisenden hingegen ist um 21 Prozent auf nur noch 20 Prozent gesunken.

Laut der Antwort der Bundesregierung vom 19. Juni 2025 auf eine Anfrage der Linksfraktion entfielen 48 Prozent aller Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen im Jahr 2024 auf Strecken unter 1000 Kilometer. Das heißt, mehr als 200.000 Flüge waren sogenannte Kurzstreckenflüge.

Laut Umweltbundesamt liegt der CO2-Ausstoß eines Inlandflugs durchschnittlich bei 214 Gramm pro Person und Kilometer, verglichen mit 29 Gramm für die Bahn im Fernverkehr, 54 Gramm für den Nahverkehr auf der Schiene und 154 für Autofahrten mit nur einer Person im Wagen.

In Deutschland wird Kerosin bei Inlandsflügen steuerlich begünstigt. Auslandsflüge sind von der Mehrwertsteuer befreit.

 

Literatur:


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